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Nach der Krise: Gibt es einen anderen Kapitalismus?

Überlegungen zu einem Buch von Roger de WeckRoger de Weck - Der weg aus der Krise

 

Das im November 2009 erschienene Buch „Nach der Krise: Gibt es einen anderen Kapitalismus?“ von Roger de Weck hat mich nachhaltig beeindruckt. Dem früheren Chefredakteur der ZEIT, Präsident des Graduate Institute of International and Development Studies in Genf und studierten Volkswirt ist ein sehr differenziertes, kompaktes und hochaktuelles Buch gelungen. Er beschreibt nachdenklich-kritisch, unerschrocken und mit großem Sachverstand den Zustand unseres Wirtschafts- und Finanzsystems und prangert dabei die Ungerechtigkeiten des modernen Kapitalismus an, insbesondere die Vernachlässigung des Faktors Arbeit zu Gunsten des Faktors Kapital.

Mit unglaublicher Belesenheit zitiert Roger de Weck Ökonomen wie Proudhon, Nobelpreisträger wie Joseph Stiglitz, Manager, Staatsmänner und Philosophen bis hin zu Tacitus und Adam Smith, dem Begründer der klassischen Volkswirtschaftslehre. Dieser wusste einerseits, dass „Ökonomie mehr sein muss als eine Technik zur Akkumulation von Kapital“ und andererseits, dass „Freiheit auf dem Mitgefühl und der Verantwortung für die Mitmenschen gründet“. Das Buch ist damit zweifelsohne auch so etwas wie Balsam auf der Seele vieler, die sich in den letzten Jahren zunehmend als Ehrliche, aber Dumme gefühlt haben. Der Autor appelliert aber auch an uns alle als verwöhnte Konsumenten, die endlich aufwachen und beginnen müssen, Nachhaltigkeit tatsächlich zu leben.

„Nach der Krise“ zeigt neben den Mechanismen und Fehlfunktionen des aktuellen Kapitalismus auch Lösungen auf: sein Königsweg ist die ökosoziale Marktwirtschaft, die im Übrigen der österreichische Vizekanzler Josef Riegler 1987 als Erster propagiert hat und die mittlerweile auch aus Sicht vieler anderer Politiker die ordnungspolitische Antwort auf die Herausforderungen der weltwirtschaftlichen Entwicklung ist.

Doch Roger de Weck ist auch Realist und fragt sich, ob wir angesichts der beeindruckenden Apparatur der Kapitalinteressen den Umbruch zu einem neuen Kapitalismus überhaupt in geordneten Bahnen vollziehen können oder ob zuvor noch eine neue, viel gravierendere Krise die Weltwirtschaft erschüttern muss.


Martina Fidlschuster
Frankfurt, im Januar 2010
 


 


 
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