HOTOUR Hotel Consulting

Übernachtungsrekorde in Großstädten – Wachstum oder statistisches Trugbild?

Die Beherbergungsstatistiken der statistischen Landesämter sind die Grundlage jeder soliden hotelspezifischen Marktuntersuchung. Eine im Zeitverlauf positive Entwicklung der Übernachtungen und ein proportionaler Angebotszuwachs weckt sowohl das Interesse von Investoren als auch von Betreibern – denn solche Entwicklungen zeugen von einem dynamischen Markt mit Zukunftspotenzial. Doch spiegeln die Zahlen immer die tatsächliche Marktentwicklung wider? Bei der Interpretation kann eine Reihe von Fallstricken zu Tage treten, die erst bei genauerem Nachforschen aufzudecken sind. Fehlinterpretationen sind nicht selten die Folge.

Ein Problem, mit dem die statistischen Ämter zu kämpfen haben, ist die Tatsache, dass der Meldepflicht von gewerblichen Beherbergungsbetrieben mit mehr als acht Betten gelegentlich nicht nachgekommen wird. Zudem lässt die Meldemoral gerade von kleinen, privat geführten Betrieben gelegentlich zu Wünschen übrig. Die Betriebe existieren also am Markt, werden von Seiten der statistischen Ämter aber weder angebots- noch nachfrageseitig berücksichtigt. Unregelmäßig durchgeführte Nachforschungen von Seiten der Verwaltung führen dazu, dass jene Betriebe in die Statistik aufgenommen und fortan in den Zählungen berücksichtigt werden. Die Schlussfolgerung bei einem schnellen Hinsehen sind Angebots- bzw. Nachfragezuwächse – tatsächlich blieb der Markt jedoch möglicherweise konstant oder hat sich gar rückläufig entwickelt.

Folgende Beispiele verdeutlichen, dass die statistischen Werte nicht immer die wirkliche Marktentwicklung aufzeigen:

  • Laut Statistik wuchs die Zahl der Gesamtbetriebe in Hannover zwischen 2007 und 2008 um 18. Die Zahl der Betten wuchs hierbei um über 1.100 – gleichbedeutend mit einem Zuwachs von 9%. Tatsächlich kamen in Hannover 2008 jedoch keine Neubetriebe mit einer größeren Bettenzahl auf den Markt. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Übernachtungen um außergewöhnliche 13,7%. Grund für die Angebots- und Nachfragezuwächse sind aber nicht neue Angebote und neue Nachfragegeneratoren. Sie sind das Ergebnis einer Recherchearbeit von Seiten der Statistischen Ämter, durch die bestehende und bis dato nicht gelistete Betriebe aufgespürt wurden.
  • In Mannheim zeigt die Beherbergungsstatistik im Jahr 2009 eine Zunahme der Betten um ca. 750 auf. Wenngleich zwei größere Hotelbetriebe 2009 in Mannheim eröffneten, würden diese nur ca. die Hälfte des Angebotszuwachses erklären. Die andere Hälfte ist auf ein langjährig bestehendes Schulungszentrum mit einer beträchtlichen Bettenzahl zurückzuführen, welches 2009 erstmals in die Statistiken aufgenommen wurde.

Da es sich bei bisher nicht gemeldeten Betrieben oftmals um kleinere, auslastungsschwache Betriebe handelt, kann die Neuauflistung dieser Betriebe auch eine rückläufige Bettenauslastung des gesamten Beherbergungsmarktes zur Folge haben.

Bei der Interpretation der Beherbergungsstatistiken zeigt sich also: Tiefer schürfen lohnt sich!

 

Falk Laudi

Frankfurt, im März 2010


 


 
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