
Die Beherbergungsstatistiken der statistischen Landesämter sind die Grundlage jeder soliden hotelspezifischen Marktuntersuchung. Eine im Zeitverlauf positive Entwicklung der Übernachtungen und ein proportionaler Angebotszuwachs weckt sowohl das Interesse von Investoren als auch von Betreibern – denn solche Entwicklungen zeugen von einem dynamischen Markt mit Zukunftspotenzial. Doch spiegeln die Zahlen immer die tatsächliche Marktentwicklung wider? Bei der Interpretation kann eine Reihe von Fallstricken zu Tage treten, die erst bei genauerem Nachforschen aufzudecken sind. Fehlinterpretationen sind nicht selten die Folge.
Ein Problem, mit dem die statistischen Ämter zu kämpfen haben, ist die Tatsache, dass der Meldepflicht von gewerblichen Beherbergungsbetrieben mit mehr als acht Betten gelegentlich nicht nachgekommen wird. Zudem lässt die Meldemoral gerade von kleinen, privat geführten Betrieben gelegentlich zu Wünschen übrig. Die Betriebe existieren also am Markt, werden von Seiten der statistischen Ämter aber weder angebots- noch nachfrageseitig berücksichtigt. Unregelmäßig durchgeführte Nachforschungen von Seiten der Verwaltung führen dazu, dass jene Betriebe in die Statistik aufgenommen und fortan in den Zählungen berücksichtigt werden. Die Schlussfolgerung bei einem schnellen Hinsehen sind Angebots- bzw. Nachfragezuwächse – tatsächlich blieb der Markt jedoch möglicherweise konstant oder hat sich gar rückläufig entwickelt.
Folgende Beispiele verdeutlichen, dass die statistischen Werte nicht immer die wirkliche Marktentwicklung aufzeigen:
Da es sich bei bisher nicht gemeldeten Betrieben oftmals um kleinere, auslastungsschwache Betriebe handelt, kann die Neuauflistung dieser Betriebe auch eine rückläufige Bettenauslastung des gesamten Beherbergungsmarktes zur Folge haben.
Bei der Interpretation der Beherbergungsstatistiken zeigt sich also: Tiefer schürfen lohnt sich!
Falk Laudi
Frankfurt, im März 2010
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